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Erbliche Stoffwechselkrankheiten

medizinischegenetik 3 - 2015
Wissenschaftliche Koordination: Johannes Zschocke
Kurze Zusammenfassung
Was sind eigentlich „erbliche Stoffwechselkrankheiten“, und welche Rolle spielen sie in der Humangenetik? Die im Übersichtsartikel dieses Heftes angeführte Definition „Störungen in der Biosynthese oder im Abbau von Substanzen innerhalb von Stoffwechselwegen, welche in der Regel durch spezielle biochemische Analysen nachgewiesen werden können und z. T. durch metabolische Intervention behandelt werden können“ wird durch die neuen Möglichkeiten der genomweiten molekulargenetischen Diagnostik grundlegend in Frage gestellt. Viele über Exomsequenzierung identifizierte „neue“ monogene Krankheiten beruhen auf einer gestörten Enzymfunktion in einem bestimmten Stoffwechselweg, ohne dass sie durch eine „Stoffwechseldiagnostik“ nachgewiesen werden könnten. Die explodierende Zahl von unterschiedlichen Einzeldefekten bei den primären Störungen des Energiestoffwechsels (Mitochondriopathien) übersteigt in ihrem klinischen Spektrum weit die bisherige Expertise der „Stoffwechsel- SpezialistInnen“. Die ebenfalls rapide expandierende Gruppe der Störungen der posttranskriptionellen Proteinmodifizierung gehört zwar auch zu den Stoffwechselkrankheiten, ist aber in der klinischen Diagnostik zunehmend in der Humangenetik angesiedelt. Während die erblichen Glykosylierungsstörungen (CDGs) zumindest noch über einen einfachen Screening Test (Isoelektrische Fokussierung von Transferrin im Serum) erfassbar waren gibt es bei der vergleichbaren Gruppe der Glycosylphosphatidylinositol-(GPI-) Ankerstörungen allenfalls noch die alkalische Phosphatase, welche bei manchen Krankheiten als biochemischer Marker in Frage kommt. Sogar die Diagnose der lysosomalen Speicherkrankheiten erfolgt schon heute oft besser über eine Panelsequenzierung als über die Durchführung von spezialisierten metabolischen bzw. enzymatischen Tests. Umgekehrt sind ein gutes Verständnis der Biochemie und die Durchführung funktioneller Stoffwechselanalysen von zentraler Bedeutung sowohl für die Klärung der Pathogenese vieler „neuer“ genetischer Krankheiten als auch für die Bestätigung der Krankheitsbedeutung von seltenen genetischen Varianten, welche durch genomweite Sequenzierverfahren identifiziert wurden.
Schwerpunkt Bild
Copyright Ana D. Danielsdottir et al, Virtual Metaboic Human - http:// vmh.uni.lu; Das Titelblatt wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Ines Thiele, PhD

Inhalt

Erbliche Stoffwechselkrankheiten
Zschocke Johannes Download PDF

Erbliche Stoffwechselkrankheiten – eine Übersicht
Zschocke Johannes Download PDF

Lysosomale Speicherkrankheiten: Therapeutische Optionen
Beck Michael Download PDF

Mitochondriopathien – neue Trends in Diagnostik und Therapie
Prokisch Holger, Sperl Wolfgang, Meitinger Thomas, Mayr Johannes A Download PDF

Transition von der Kindheit in das Erwachsenenalter bei chronischen Krankheiten
Plöckinger Ursula Download PDF

Strukturierte Aufklärung und Beratung bei monogen vererbten Stoffwechselkrankheiten
Burgard Peter, Wendel Udo Download PDF